Zeitreisen vor Ort:
Burgfelsen von Altneihaus:
Tief unten im Waldnaabtal, am Fuß des Burgfelsens von Altneuhaus, rankt sich eine geheimnisvolle Sage um die sogenannte Hanklgrube.
Hinter einer schmalen Felsspalte, soll dort ein unermesslicher Schatz verborgen sein – eine goldene Wiege, eingeschlossen im Berg.
Der Überlieferung nach öffnet sich die Felswand jedes Jahr am Passions-Sonntag, wenn in der Kirche die Leidensgeschichte Christi gelesen wird.
Manche sagen sogar, nur alle zehn Jahre.
Doch nur sogenannte Sonntagskinder können den Schatz heben – und auch nur, solange die Passion andauert.
Mit dem letzten Wort schließt sich die Spalte wieder.
Wer dann noch im Inneren ist, muss ein ganzes Jahr im Berg bleiben.
Eine andere Version erzählt von Karfreitag – und von einer geheimnisvollen Blume, die nur an diesem Tag am Fuß der Ruine wächst und als Schlüssel dient.
Ein Mann fand sie einst mit seinem Kind. Geblendet von Goldgier schleppte er Schätze hinaus, vergaß darüber die Zeit – und sein Kind.
Als sich das Tor donnernd schloss, blieb das Kind zurück.
So warnt die Sage vom Schatz in Altneuhaus – am Burgfelsen der Ruine Burg Alt-Neuhaus – bis heute vor Gier und Vergessen.
Der Brand in Neuhaus 1887:
Der große Brand von Neuhaus im Jahr 1887 war eine der schlimmsten Katastrophen des Marktes.
Am 17. Juni um 15.30 Uhr brach im Stadel des Ferdinand Eiber vermutlich durch Fahrlässigkeit ein Feuer aus. Ein gelagertes Petroleumfass explodierte – und durch starken Nordwestwind griffen die Flammen rasend schnell auf die dicht stehenden Häuser mit ihren Schindeldächern über.
Schon nach einer Viertelstunde standen 47 Gebäude in Brand, wenig später war der gesamte Marktplatz ein Trümmerfeld.
Auch der Kirchturm brannte, Löschversuche scheiterten am Wassermangel.
Rund 60 Familien wurden obdachlos und zahlreiche Tiere kamen ums Leben.
Besonders tragisch waren die menschlichen Verluste:
Zwei Männer starben am nächsten Tag an giftigen Gasen in einem Keller. Weitere Menschen wurden schwer verletzt.
Trotz allem begann bald der Wiederaufbau, begünstigt durch einen trockenen Sommer – doch die Erinnerung an das Unglück blieb lange lebendig.
Der Brand in Windischeschenbach 1848:
Der große Brand von 1848 war die schwerste Katastrophe in der Geschichte von Windischeschenbach.
Am Pfingstmontag, dem 12. Juni, befand sich gerade eine Flurprozession außerhalb des Ortes, als gegen 10 Uhr Rauch über dem Markt aufstieg.
Kurz darauf stand ein großer Teil des Ortes in Flammen.
Viele Häuser bestanden ganz oder teilweise aus Holz, dazu herrschte seit Wochen Dürre – ideale Bedingungen für das Feuer.
Innerhalb von nur zwei Stunden wurden 60 Wohnhäuser, zahlreiche Scheunen und Nebengebäude sowie die Pfarrkirche und das Schulhaus zerstört. Die Glocken der Kirche stürzten brennend vom Turm.
Beim Wiederaufbau setzte sich Landrichter Freiherr von Lichtenstern energisch durch.
Der Marktplatz wurde völlig neu gestaltet: Die Häuser standen nun in gerader Linie und mit der Längsseite zur Straße. Auch die Straßenführung wurde begradigt. So veränderte der Brand das Ortsbild dauerhaft.
Eisenbahnbau an der Waldnaab ab 1862
Bis 1859 war die Oberpfalz der einzige bayerische Regierungsbezirk ohne Eisenbahn.
Erst mit der „Königlich privilegierten Aktiengesellschaft der bayerischen Ostbahnen“ startet der Ausbau der Strecke Schwandorf–Weiden–Bayreuth sowie Weiden–Eger.
1862 begannen die Bauarbeiten auch in Windischeschenbach.
Für die rund 1.000 Einwohner bedeutete das einen gewaltigen Umbruch. Viele Arbeiter aus Böhmen und Italien kamen in den Ort, manche wohnten sogar in Scheunen oder selbst gegrabenen Höhlen.
Der Bau durch das enge Waldnaabtal war schwierig: Felsen mussten gesprengt, Brücken und Durchlässe errichtet werden. Dabei kam es auch zu tödlichen Unfällen.
1864 fuhr der erste festlich geschmückte Zug durch die Region,
1865 war die Verbindung bis Eger vollendet. Täglich verkehrten nun mehrere Züge.
Der frühe Bahnanschluss erwies sich für Windischeschenbach als großer Glücksfall und brachte dem Markt einen entscheidenden Entwicklungsschub.
Übers Galgenkatherl:
Dort, wo heute das Galgenkatherl steht, begann einst eine düstere Geschichte der Richtstätte.
In Windischeschenbach lebte das Schönandlkatherl, ein junges Mädchen voller Lebenslust und Glanz in ihren Augen. Als ihr ein Sohn geboren ward, ziert er zwar ihr Herz, doch bald wird er zu einer Last, die ihre Vergnügungen zu behindern droht.
Eines verfluchten Tages brannte ihr Haus nieder; der Junge kam in den Flammen ums Leben.
Der Richter forderte Geständnisse, und unter Folter zwang er das Katherl, zuungunsten der Wahrheit zu schweigen, doch die Wahrheit war scharf und schmerzhaft: Sie habe das Feuer nicht gelegt – oder doch?
Das Urteil fiel hart: Erhängt sollte sie werden.
Am Fuße des Felsens wurde sie bestattet, und ihr Grab bedeckt heute ein langer, schwerer Stein, der still von jener Nacht erzählt.
Zur Polier:
Schon sehr früh hielten in Windischeschenbach industrielle Entwicklungen Einzug – und zwar an der Gmünd an der Waldnaab. Das Gelände, heute als „Polier“ oder „Rundschleif“ bekannt, war ein bedeutender Standort der Glasverarbeitung.
Bereits ab 1717 wurde die Technik des Spiegelschleifens durch den französischen Emigranten Louis Anne de St. Marie Eglise in der Region eingeführt. 1791 errichtet Andrä Vogel dort eine Spiegelschleife mit Polierwerk.
In den folgenden Jahrzehnten wechselte der Betrieb mehrfach den Besitzer und wurde stetig ausgebaut.
Mit dem Bau der Eisenbahn ab 1862 kam es zu langwierigen Streitigkeiten zwischen den Eigentümern und der Ostbahn-Gesellschaft, die schließlich 1865 das gesamte Areal übernahm.
Später wurde der Betrieb modernisiert, unter anderem durch Kommerzienrat Ludwig Winkler. Doch im 20. Jahrhundert endet die industrielle Nutzung.
Dramatisch wurde es noch einmal am 14. April 1945, als ein amerikanischer Tiefflieger, die nahe Eisenbahnbrücke angriff. Zwei Häuser wurden zerstört, es gab Tote und viele Verletzte.
Seit 1953 wurde dort schließlich Strom aus Wasserkraft erzeugt – ein neues Kapitel an einem traditionsreichen Standort.
Zur Richtereiche:
In Neuhaus stand bis in die 1870er-Jahre nahe dem heutigen Kriegerdenkmal eine gewaltige Richtereiche.
Ihren Namen trug sie, weil unter ihrem Blätterdach einst Gerichtsverhandlungen abgehalten wurden.
Es handelte sich um eine Stiel- oder Sommereiche – eine Baumart, die über tausend Jahre alt werden kann.
Als man sie fällte, war sie bereits mehr als 800 Jahre alt. Vier Männer konnten den mächtigen Stamm nicht umfassen. Schon in vier Metern Höhe begann die rund 30 Meter breite Krone.
Lange galt der Baum als Gemeindeeigentum, doch ein Rechtsstreit entschied zugunsten des Grundstücksbesitzers Emmeram Punzmann – mit dem Hinweis auf ein altes Schriftstück, das von einem „Acker nebst der Eiche“ sprach.
Damit war ihr Schicksal besiegelt. Vier Holzhauer benötigten zwei Tage, um den Baumriesen zu fällen.
Die Empörung in der Bevölkerung war groß; viele sahen darin eine Untat.
Ein Muttergottesbild, das einst an der Eiche hing, erinnert heute an diesem Ort – ebenso wie eine neu gepflanzte Eiche neben dem Gedenkstein.
Die Rockenstuben:
Die sogenannten Rockenstuben waren früher beliebte winterliche Treffen junger Frauen.
Nach Feierabend kamen sie in wechselnden Häusern zusammen, um Wolle oder Flachs zu spinnen.
Doch es blieb nicht nur bei der Arbeit: Unverheiratete Burschen gesellten sich dazu, spielten Musik, und es wurde getanzt.
Da öffentliche Tanzveranstaltungen damals nur an wenigen Feiertagen erlaubt waren, boten die Rockenstuben eine willkommene Gelegenheit zum geselligen Beisammensein.
Den Behörden jedoch, waren diese Treffen ein Dorn im Auge. Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert wurden sie immer wieder verboten und mit Geldstrafen belegt. Auch in Windischeschenbach und Neuhaus gingen die Obrigkeiten dagegen vor. 1790 forderte der Hofmarksrichter sogar ein strenges Verbot, da man sittlichen Verfall und „Ausschweifungen“ befürchtete.
Trotz aller Verbote zeigen die vielen Strafvermerke jedoch:
Die Rockenstuben waren tief im Alltagsleben der Menschen verwurzelt.
Zum Sühnekreuz:
Ein markantes steinernes Sühnekreuz erzählt in Windischeschenbach von einer bewegten Vergangenheit.
Lange Zeit war es in ein Wirtschaftsgebäude in der Hauptstraße eingemauert und hinter einer Anschlagtafel verborgen – fast vergessen im Schatten der Geschichte.
Erst 1979 wurde es auf Initiative des Oberpfälzer Waldvereins an der Neustädter Straße gut sichtbar neu aufgestellt.
Das Kreuz stammt vermutlich aus der Zeit zwischen 1300 und 1600. Eine eingravierte Semmel weist darauf hin, dass es an einen erschlagenen Bäcker erinnert. Der Überlieferung nach, soll ihn ein Weber bei einer Rauferei getötet haben.
Solche Sühnekreuze waren Teil genau geregelter Sühneverträge.
Der Täter musste nicht nur das Kreuz errichten, sondern auch die Beerdigungskosten tragen, Geld an die Hinterbliebenen zahlen, Wachs an die Kirche stiften und zahlreiche Messen lesen lassen. Oft waren sogar Wallfahrten nach Rom, Aachen oder Santiago de Compostela vorgeschrieben. Manchmal musste der Schuldige seine Heimat verlassen oder zeitlebens einen eisernen Ring oder Strick um den Hals tragen – ein eindrucksvolles Zeugnis mittelalterlicher Rechtsprechung.